Samstag, 5. Mai 2012
Wieso uns niemand kontaktiert
Über einen Monat lang hat es gedauert, bis ich wieder eine Idee hatte! Naja, aber dafür gleich eine, die ich ausbauen konnte - das ist doch auch was. Viel Spaß mit meiner neusten Kurzgeschichte!

Wieso uns niemand kontaktiert
Kanugo sah nochmal auf den Computer und konnte seinen Augen kaum glauben. Auf dem großen Bildschirm erstrahlte ein hochauflösendes Bild dieses Planeten, den er vor kurzem entdeckt hatte, einem heißen Kandidaten für höhere Lebensformen.
Nervös trommelte Kanugo mit den Fingern auf den Tisch. Die Ergebnisse mehrerer Scans und Untersuchungen zeigten, dass der Planet nicht allzu groß war, zu beinahe drei Vierteln von Wasser bedeckt und in der habitablen Zone seines Sterns einer festen Umlaufbahn folgte. Wundervoll! Nachdem die Untersuchungen bei dem Nachbarn des Planeten ergeben hatten, dass dort Bakterien existierten, war dies ein weiterer großer Erfolg in Kanugos junger Laufbahn.

Zufrieden griff er nach dem Hörer seines Telefons, um seine Mitarbeiter zu informieren. Ein plötzlich erschienenes Blinken auf seinem Bildschirm ließ in in der Bewegung innehalten. „Möglicherweise hohe Lebensform entdeckt!“ meldete eine Alarmmeldung. Kanugos Atem wurde flach und unregelmäßig. Sollte es etwa endlich soweit sein? Hatte er eine fremde Zivilisation entdeckt?

Ein weiteres Scanergebnis öffnete sich und offenbarte ihm, dass auf dem Planeten mehrere Tausend weit entwickelte Spezies lebten. Kanugo zitterte, während er das Ergebnis durchlas. Kein hochintelligentes Wesen, jedoch Tiere, ähnlich einigen, die auch hier lebten. Kanugo wusste, dass die Bilder, die er hier sah, 67 Millionen Jahre alt waren, denn das war die Anzahl an Lichtjahren, die zwischen ihm und dem Mikroskop lagen.

Kanugo hatte viel gelesen über die ersten richtigen Teleskope, wie es sie vor 300 Jahren gegeben hatte. Teleskope, die mit Strahlen arbeiteten, die die eigene Galaxie ausleuchten konnten... doch die damaligen Forscher hätten wohl kaum zu träumen gewagt, Tiere in 67 Millionen Lichtjahren Entfernung zu entdecken. Mehrmals im Jahrzehnt. Nein, früher war das noch anders gewesen.

Kanugo lehnte sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und schloss die Augen. Wie der Planet wohl in diesem Moment aussah? Auch hier hatte es über 70 Millionen Jahre gedauert, bis aus großen Echsen und Wasserlebewesen die Spezies entstanden war, die heute die Städte auf dem Planeten bevölkerte. Ob der Planet überhaupt noch existierte? Ob das Leben sich weiterentwickelt hatte? Vielleicht suchten genau in diesem Moment auch dort in der Ferne irgendwelche Wesen mit ihren Teleskopen diesen Planeten hier ab, genau diesen Ort, und sahen, dass es nichts zu sehen gab? Sahen das 70 Millionen Jahre alte Bild? Schrieben Kurzgeschichten über Wesen auf fremden Planeten, die ihren eigenen Wohnort entdeckten?
Irgendwie fand Kanugo diese Vorstellung lustig, und er musste laut lachen, als er sich einen möglichen Titel der Kurzgeschichte ausmalte: „Wieso uns niemand kontaktiert“

5. Mai 2012



Donnerstag, 15. März 2012
Tag 7 - Irgendwo in der Savanne
Heute haben wir in der Schule einen Aufsatz schreiben müssen. Wir hatten circa 5 Minuten Zeit und es waren 100 Wörter verlangt. Als Thema hatten wir Ein gruseliges Geräusch bekommen... Naja, hier ist jedenfalls das, was ich am Ende auf dem Blatt stehen hatte.

Tag 7 - Irgendwo in der Savanne

Heute ist es noch heißer als sonst. Die Sonne scheint erbarmungslos auf die Savanne hinab und versengt mir Arme und Genick. Mein letztes Wasser habe ich heute morgen getrunken. Lange werde ich es also nicht mehr durchhalten.

Seit dem Absturz ist jetzt schon eine Woche vergangen. Eine Woche, in der ich nur ein paar Beeren zu mir genommen habe. Meine Gelenke schmeruen, ich habe einen Sonnenbrand und bin furchtbar durstig.
Letzte Nacht habe ich geglaubt, Flugzeugpropeller zu hören. Ich habe geschrien und mit dem Feuerzeug hin- und hergewedelt. Doch ich konnte keine Lichter am Himmel erkennen und so habe ich nach kurzer Zeit aufgegeben. Inzwischen bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob ich das Ganze nicht einfach nur geträumt habe.

Jetzt habe ich diesen dornigen, alten Busch hier gefunden. Er spendet mir ein wenig Schatten, während ich hier sitze und schreibe.
Moment. Da hinten hat gerade das hohe Gras gewackelt – dabei herrscht Windstille. Ich werde mir das mal ansehen... Ein Geräusch! Verdammt! Was war

Letzte Seite eines Tagebuchs, das in der äthiopischen Savanne neben menschlichen Überresten gefunden wurde.

15. März 2012



Samstag, 28. Januar 2012
Der Mensch
Hallo Leute! Heute gibt's eine neue Kurzgeschichte. Nicht so ganz das übliche Lustige, ich hoffe dennoch, dass sie euch gefällt. Und dass sie euch zum Nachdenken anregt, denn genau das ist es meiner Meinung nach, was eine Kurzgeschichte tun sollte: zum Nachdenken anregen.

Der Mensch
Die Axt drang immer tiefer in das Holz des Baumes ein. Stück für Stück schlug das Metall eine Spalte in den Stamm bis das vertraute Knirschen ertönte. Er lehnte sich gegen den Baum und brachte ihn mit Leichtigkeit zum Fallen.
Der Mensch hatte einen dicken Bauch, kurze fettige Haare und unter seinen Achseln waren auf seinem Hemd, das er aufgeknöpft hatte, große Schweißflecken erschienen. Er betrachtete zufrieden den Baum, der nun vor ihm lag. Er legte seine Axt auf die Schulter und wollte sich zum nächsten Stamm aufmachen.

Doch da war kein Stamm mehr. Er sah sich nervös um. Er befand sich auf einer winzigen Insel, wohin er auch blickte nur das Meer. Das Meer, das irgendwie unnatürlich aussah. Mit weit aufgerissenen Augen wurde ihm bewusst, dass er den letzten Baum auf seiner Insel gefällt hatte. Dabei waren doch so viele dagewesen, als er angefangen hatte! Und diese Insel hier hatte es damals auch noch nicht gegeben! Er starrte panisch in den Himmel. Erst jetzt fiel ihm auf, dass das schöne Blau von früher sich in ein hässliches Braun-Gelb verwandelt hatte. Und wieso war es hier so warm? Das war es doch bisher auch nicht gewesen! Oder etwa doch?
Er lief los, doch kurz vor dem Wasser fiel der Dicke über einen kleinen Felsen. Wenige Zentimeter vor ihm spülte das Meer über den Sand und hinterließ schwarze Flecken. Zitternd setzte er sich auf den Felsen und blickte auf das Meer hinaus. Wie lange er wohl schon hier war? Er wusste es nicht genau. Seine Erinnerungen an diesen Ort hier waren so anders, so schön.

Plötzlich vernahm er ein flehendes Geräusch. Als der Dicke sich umsah, bemerkte er einen Vogel, der komplett mit Öl verklebt war und an dem kleine Plastikteilchen hingen.
„Es wird alles gut, mein kleiner!“, sagte der Mann, nahm ihn in den Arm und begann, die Plastikschnipsel aus den dreckigen verklebten Federn des Tieres zu picken.
Wenige Minuten später schloss der Vogel die Augen und machte seinen letzten Atemzug.
Der Mensch presste ihn an sich und schrie gequält: „Wieso?“

Ganz leise weinte er, als er verstand, was er getan hatte. Als er verstand, dass es nun zu spät war.

28. Januar 2012



Samstag, 14. Januar 2012
Er will ein Spiel spielen
Tach.
Folgend eine Kurzgeschichte die ich mit dreizehn Jahren geschrieben habe und von der mir gesagt wurde, sie sei gar nicht mal so schlecht. Wie so ziemlich alles, was von mir stammt, wurde Er will ein Spiel spielen jedoch nie fertig geschrieben. ;) Viel Spaß!

Es war kalt für diese Jahreszeit. Drauβen regnete es und verlassene Felder rasten an der Scheibe vorbei. Mir gegenüber saβ mein Bruder Xavier. Sonst war niemand in unserem Abteil. Ich machte meine Hausaufgaben, und er hörte Musik. Wir waren auf dem Weg nach Metz, in der Hoffnung, dass die Geschäfte dort noch geöffnet hatten. Drauβen wurde es zunehmend dunkler und der Mond war hinter dicken Wolken versteckt. Irgendetwas knisterte. „Hörst du das?“, fragte ich. Xavier nahm seine Kopfhörer ab. „Hm?“ „Hörst du dieses Knistern?“ „Nö, hab nix gehört. Wahrscheinlich irgendetwas drauβen.“ Ich wickelte mich fester in meine Jacke ein. Es war wirklich kalt. Xavier setzte seine Kopfhörer wieder auf und ich widmete mich wieder mathematischen Formeln. Da. Da war es wieder. Dieses Knistern. Ich spürte, wie ich eine Gänsehaut bekam. Xavier schien nichts mitzubekommen. Er trommelte mit seinen Fingern auf den Tisch und summte zu seiner Musik. Ich versuchte, mich wieder auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren. Da war dieses Knistern wieder. Ich drehte meinen Kopf. Nichts zu sehen. Wir waren allein. Ich drehte mich wieder zu Xavier. Er saβ nicht mehr vor mir. „Xavier? Xavier! Wo bist du?“ Keine Antwort. „BUAAAAH!!!“ Xavier kam hinter einer Sitzbank hervorgesprungen. Mein Herz raste wie verrückt. „Du Arschloch! Du hast mich ja zu Tode erschreckt!“ Xavier lachte und setzte sich wieder hin. Drauβen war es jetzt stockdunkel, und die spärliche Beleuchtung des Waggons erleichterte mir das Sehen nur minimal. Das war aber nicht weiter schlimm, denn gerade, als ich mich darüber ärgern wollte, fiel sie ganz aus. „Xavier? Ich hab Angst!“ „Keine Angst, das ist bestimmt nur ein Kurzschluss. Ich geh’ mal nach vorne und frag’ nach.“ Ich hörte Xavier aufstehen und rausgehen. Jetzt war ich allein im Abteil. Es war stockdunkel. Und es war kalt. Verdammt noch mal, es war eiskalt! Ich wickelte mich noch etwas fester in meine Jacke. Dann hörte ich einen Schrei. Einen schrillen Schrei, wie es ihn in schlechten amerikanischen Filmen gibt. Einen Schrei, der definitiv von Xavier stammte. Da war ich mir sicher. „Xavier? XAVIER?“, schrie ich. Xavier antwortete nicht. Ich saβ eine Weile da, hielt den Atem an und lauschte. Das Knistern war jetzt viel lauter. Plötzlich klingelte mein Handy. Ich fuhr auf. Bereits dieses vertraute Geräusch reichte in diesem Moment, dass mein Herz wieder zu rasen anfing. Ich ging ran. Niemand meldete sich. „Hallo?“ Keine Antwort. Nur das Knistern, das jetzt aus dem Handy zu kommen schien. „Hallo? Ist da jemand?“ „Hallo, Jimmie.“ Ich kannte die Stimme nicht. „Mit wem spreche ich bitte?“ „Das ist unwichtig. Alles was du wissen musst ist…“ „Wer sind sie?“, schrie ich den Apparat hinein. „Hallo, Jimmie.“ Wer war dieser Mann? Wieso sagte er mir seinen Namen nicht? Xavier war noch nicht zurückgekommen, und der Zug fuhr weiter Richtung Metz. Was für eine Höllenfahrt. „Sie haben schon Hallo gesagt! Xavier, bist du das? Das ist nicht lustig!“ Keine Antwort. „Ich bin nicht Xavier!“, sagte die Stimme und legte auf. Xavier schrie noch mal. Der Schrei kam eindeutig von vorne, von dort wo er verschwunden war. „Xavier?“, schrie ich noch einmal. Niemand antwortete. Mein Telefon klingelte noch mal. Ich ging sofort ran. „Wer sind Sie? Was wollen Sie? Wo ist Xavier.“ „Ich möchte ein Spiel spielen.“ Ein Spiel. Er wollte ein Spiel spielen. Ich saβ in einem gottverdammten Zug nach Metz, es war dunkel, es war kalt und Xavier hatte seit seinem Verschwinden zweimal aufgeschrien. Und der wollte ein Spiel spielen. Xavier schrie wieder auf. Ich erkannte das Flehen in dem Schrei, den unausgesprochenen Hilferuf. Ich lieβ mein Handy fallen und hastete nach vorne. Als ich die Lokomotivenführerkabine endlich erreicht hatte, riss ich die Tür auf. Ich musste einen Schrei unterdrücken. Xavier hing dort – völlig blutverschmiert – mit Händen und Füβen an die Wand genagelt. Neben ihm in blutroten Buchstaben an das Fenster geschmiert: „Spiel mit mir!“