Er will ein Spiel spielen
Tach.
Folgend eine Kurzgeschichte die ich mit dreizehn Jahren geschrieben habe und von der mir gesagt wurde, sie sei gar nicht mal so schlecht. Wie so ziemlich alles, was von mir stammt, wurde Er will ein Spiel spielen jedoch nie fertig geschrieben. ;) Viel Spaß!
Es war kalt für diese Jahreszeit. Drauβen regnete es und verlassene Felder rasten an der Scheibe vorbei. Mir gegenüber saβ mein Bruder Xavier. Sonst war niemand in unserem Abteil. Ich machte meine Hausaufgaben, und er hörte Musik. Wir waren auf dem Weg nach Metz, in der Hoffnung, dass die Geschäfte dort noch geöffnet hatten. Drauβen wurde es zunehmend dunkler und der Mond war hinter dicken Wolken versteckt. Irgendetwas knisterte. „Hörst du das?“, fragte ich. Xavier nahm seine Kopfhörer ab. „Hm?“ „Hörst du dieses Knistern?“ „Nö, hab nix gehört. Wahrscheinlich irgendetwas drauβen.“ Ich wickelte mich fester in meine Jacke ein. Es war wirklich kalt. Xavier setzte seine Kopfhörer wieder auf und ich widmete mich wieder mathematischen Formeln. Da. Da war es wieder. Dieses Knistern. Ich spürte, wie ich eine Gänsehaut bekam. Xavier schien nichts mitzubekommen. Er trommelte mit seinen Fingern auf den Tisch und summte zu seiner Musik. Ich versuchte, mich wieder auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren. Da war dieses Knistern wieder. Ich drehte meinen Kopf. Nichts zu sehen. Wir waren allein. Ich drehte mich wieder zu Xavier. Er saβ nicht mehr vor mir. „Xavier? Xavier! Wo bist du?“ Keine Antwort. „BUAAAAH!!!“ Xavier kam hinter einer Sitzbank hervorgesprungen. Mein Herz raste wie verrückt. „Du Arschloch! Du hast mich ja zu Tode erschreckt!“ Xavier lachte und setzte sich wieder hin. Drauβen war es jetzt stockdunkel, und die spärliche Beleuchtung des Waggons erleichterte mir das Sehen nur minimal. Das war aber nicht weiter schlimm, denn gerade, als ich mich darüber ärgern wollte, fiel sie ganz aus. „Xavier? Ich hab Angst!“ „Keine Angst, das ist bestimmt nur ein Kurzschluss. Ich geh’ mal nach vorne und frag’ nach.“ Ich hörte Xavier aufstehen und rausgehen. Jetzt war ich allein im Abteil. Es war stockdunkel. Und es war kalt. Verdammt noch mal, es war eiskalt! Ich wickelte mich noch etwas fester in meine Jacke. Dann hörte ich einen Schrei. Einen schrillen Schrei, wie es ihn in schlechten amerikanischen Filmen gibt. Einen Schrei, der definitiv von Xavier stammte. Da war ich mir sicher. „Xavier? XAVIER?“, schrie ich. Xavier antwortete nicht. Ich saβ eine Weile da, hielt den Atem an und lauschte. Das Knistern war jetzt viel lauter. Plötzlich klingelte mein Handy. Ich fuhr auf. Bereits dieses vertraute Geräusch reichte in diesem Moment, dass mein Herz wieder zu rasen anfing. Ich ging ran. Niemand meldete sich. „Hallo?“ Keine Antwort. Nur das Knistern, das jetzt aus dem Handy zu kommen schien. „Hallo? Ist da jemand?“ „Hallo, Jimmie.“ Ich kannte die Stimme nicht. „Mit wem spreche ich bitte?“ „Das ist unwichtig. Alles was du wissen musst ist…“ „Wer sind sie?“, schrie ich den Apparat hinein. „Hallo, Jimmie.“ Wer war dieser Mann? Wieso sagte er mir seinen Namen nicht? Xavier war noch nicht zurückgekommen, und der Zug fuhr weiter Richtung Metz. Was für eine Höllenfahrt. „Sie haben schon Hallo gesagt! Xavier, bist du das? Das ist nicht lustig!“ Keine Antwort. „Ich bin nicht Xavier!“, sagte die Stimme und legte auf. Xavier schrie noch mal. Der Schrei kam eindeutig von vorne, von dort wo er verschwunden war. „Xavier?“, schrie ich noch einmal. Niemand antwortete. Mein Telefon klingelte noch mal. Ich ging sofort ran. „Wer sind Sie? Was wollen Sie? Wo ist Xavier.“ „Ich möchte ein Spiel spielen.“ Ein Spiel. Er wollte ein Spiel spielen. Ich saβ in einem gottverdammten Zug nach Metz, es war dunkel, es war kalt und Xavier hatte seit seinem Verschwinden zweimal aufgeschrien. Und der wollte ein Spiel spielen. Xavier schrie wieder auf. Ich erkannte das Flehen in dem Schrei, den unausgesprochenen Hilferuf. Ich lieβ mein Handy fallen und hastete nach vorne. Als ich die Lokomotivenführerkabine endlich erreicht hatte, riss ich die Tür auf. Ich musste einen Schrei unterdrücken. Xavier hing dort – völlig blutverschmiert – mit Händen und Füβen an die Wand genagelt. Neben ihm in blutroten Buchstaben an das Fenster geschmiert: „Spiel mit mir!“
laurent96 am 14. Januar 12
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